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Allgemein Infos zum Stand der Filtrierer Haltung in privaten Aquarien
04.07.2007 von Stephan P

Infos zum Stand der Filtrierer Haltung in privaten Aquarien

Hier zu gibt es leider immer noch sehr wenige bis keine Informationen. Dieses hat wahrscheinlich mehrere Gründe: Zum Einen muss man meist alles selber ausprobieren, zum Anderen gehen hierbei auch unter Umständen etliche Tiere ein und über so etwas berichtet man natürlich auch nicht gerade gerne.
Genau aus diesem Grund möchte ich hier mal meine Erfahrungen publizieren. Es soll ja nicht jeder für sich das "Rad" neu erfinden müssen, nur weil keiner seine Erfolge/Misserfolge mit anderen teilt. So könnte man dieses Thema schneller voran bringen.










Ein paar Eindrücke aus meinem Becken


Aktuell werden fast von jedem Hersteller diverse Futtermittel angeboten, die auch für die Ernährung von Filtrierern geeignet sein sollen. Leider fehlen hier häufig Referenzen der Hersteller zu funktionierenden Filtriererbecken. Alle Sorten zu testen und damit ständig das Angebot zu verändern ist sicherlich kaum möglich und auch für die gepflegten Arten immer ein Risiko. Alleine aus diesem Grund ist der Austausch von Informationen sehr wichtig.

Es gibt viele Punkte, die ein Filtrierbecken erfolgreich machen oder zum Scheitern bringen. Auf alle Punkte einzugehen, würde hier zu weit führen, aber einen wichtigen Punkt möchte ich hier doch ansprechen. Dieses ist die zur Verfügung stehende Futterdichte. Dieses heißt, ob ich nur ein Tier pflege oder das Becken voll habe, macht keinen Unterschied. Der einzige Unterschied ist: Bei einem voll besetzten Becken nimmt diese sehr viel schneller ab, da die Tiere die Futterpartikel aus der Wassersäule entnehmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualität der Tiere, die im Handel ankommen. Sind diese über einen Großhändler bezogen, kann man sie meist schon vergessen, da sie bei der Zwischenhälterung im Groß– und danach im Einzelhandel kein adäquates Futter bekommen haben. So bleiben uns nur Direktimporte, da dort die Zeit ohne Futter stark verkürzt wird. Aber Filtrierer werden nur selten mitbestellt, da es nur wenige Käufer dafür gibt. Ich habe hier in der Gegend das Glück, zwei Händler zu haben, die immer mal wieder diese Tiere mitbestellen. Der eine ist der Fressnapf in Aachen und der andere ist Welke in Köln. An dieser Stelle vielen Dank für diese Unterstützung.
Ein Haltungsversuch mit halb verhungerten Filtriereren ist meiner Erfahrung nach heute fast immer zum Scheitern verurteilt. Die heutigen Ersatzfutter sind schon recht gut, aber es reicht nicht, um stark geschädigte Tiere damit wieder aufzupäppeln. Wobei wir leider nicht nachvollziehen können, ob diese Tiere sich im Meer wieder regenerieren würden oder auch dort auf Grund des erlittenen Futtermangels und dessen Folgen auch dort absterben würden.

Zu mir: Ich betreibe das Hobby schon rund 10 Jahre und mich haben schon sehr früh die Tiere interessiert, von denen behauptet wurde, dass sie in unseren Aquarien nicht haltbar wären. Damals (Ende 2000) galt mein Interesse den Tubastreen. Infos zur Ernährung und Haltung war nahezu nicht zu bekommen. Also musste ich, nachdem ich mich zum Kauf einer entschlossen hatte, ein wenig herumexperimentieren. Einige Zeit später hatte ich eine Möglichkeit gefunden, dieses Tier zu ernähren und dann kam, was kommen musste - es wurden immer mehr, teilweise sogar Tiere, die die Händler schon aufgegeben hatten. Zu diesem Zeitpunkt war das Ernährungsproblem gelöst, aber der Aufwand war auch leider recht hoch, da es sich um eine gezielte Fütterung jedes einzelnen Polypen handelte.
Nach einiger Zeit kam es aber zu Problemen - eine nicht zu unterschätzende Wasserbelastung auf Grund der Fütterung und die starke Vermehrung von ungebetenen Gäste (Glasrosen).

Infos zu meiner damaligen Tubastreen Haltung.


Nachdem ich die Tubastreen mit Erfolg halten konnte, versuchte ich mich auch an einer orangen Scleronephthya. Dieses Tier war durch die Größe ihrer Polypen natürlich nicht in der Lage, das gleiche große Futter aufzunehmen wie die Tubastreen.
Zu dieser Zeit kam in Deutschland CyclopEeze in den Handel, was zur Ernährung von Zooplankton fressenden Fischen und Filtrierern mit großen Polypen genutzt werden kann. Deshalb sind meine Tubastreen in ein eigens für sie eingerichtetes 200l Experimentierbecken umgezogen, um die Futterzufuhr nur über die Wassersäule zu realisieren. Nur hierbei gilt das gleiche wie immer, viel Futter = viel Belastung.
Auch die Scleronephthya wurde mit diesem Futter versorgt. Der Ansatz sah sehr viel versprechend aus. Nach einigen Monaten stellte sich leider heraus, dass das Tier nun doch langsam anfing, kleiner zu werden.

Dieser Prozess zog sich bei mir aber schon erheblich länger hin als beim Händler. Das konnte nur heißen, dass meine gefütterte Koralle doch etwas vom dargereichten Futter aufgenommen und verwertet hatte, aber eben nicht ausreichend. Während dieser Tests fand ich auch ein paar Federsterne, die natürlich auch ausprobiert werden mussten. Mit meiner damaligen Fütterung habe ich es geschafft, sie schon über 9 Monate zu halten. Es wäre wahrscheinlich auch noch länger gewesen, wenn nicht eines der anderen Tiere im Becken für einen kontinuierlichen Verlust des einen oder anderen Armes gesorgt hätte. Die abgebrochenen Arme regenerierten sich zwar, aber nicht schnell genug und somit ist er doch leider letztendlich verhungert.








Nach diesem kleineren Misserfolg verschob sich mein Augenmerk erst einmal in Richtung Phytoplankton, da es jetzt mehrere solche Produkte im Handel gab. Es ist die Basis des Lebens im Meer, so die Idee, die dahinter steckt. So sollten sich doch auch unter Umständen die von mir gewünschten Tiere halten lassen. Ich suchte alle Infos zu diesem Themenbereich zusammen und versuchte die anderen Filtrierer zusätzlich auf diese Art zu ernähren. Für das im Becken vorhandene Zooplankton war die Gabe von ernährungstechnisch wertvollem Phytoplankton sehr positiv, aber die Wasserwerte und der zeitliche Aufwand waren enorm. Auf Dauer ließ sich aber auch durch die Fütterung mit Phytoplankton kein durchschlagender Erfolg feststellen.

Ende 2004 war ich auf einer Aquarienmesse in Sindelfingen und hier wurde von einem Händler ein neues Staubfutter angeboten, was zur Ernährung der Filtrierer dienen sollte. Genau das was ich schon lange gesucht hatte, weil CyclopEeze alleine noch nicht für alle meine Filtrierer den gewünschten Effekt hatte. Dieses Futter musste zu Hause schnellst möglich ausprobiert werden und siehe da, es hielt was es versprach, so dass ich mich jetzt mal wieder an eine neue Scleronephthya heran traute und sie degenerierte nicht.

War das also der Durchbruch bei der Haltung von Filtrierern?

Wie ich aber schon aus meinen Erfahrungen mit den anderen zu fütternden Tieren wusste, ist das immer recht schwierig zu beurteilen, also abwarten und weiter beobachten. Da aber irgendwann jede Futterdose leer ist, musste ich mir das Futter neu bestellen und im Verlauf dieser Zeit kamen immer mehr Produkte für Filtrierer von eben dieser Firma auf den Markt. Da das erste getestete Produkt die Erwartungen erfüllt hatte, bestellte ich noch das eine oder andere mit, um dieses auch zu testen. Im Laufe dieser Tests stellte sich heraus, dass man mit einer Kombination dieser Produkte plus CyclopEeze die von mir getesteten Filtrierer ernähren kann. Aber wie es immer so ist, man meint gerade ernährungstechnisch alles im Griff zu haben, schon ist die Dose wieder leer. Neue Bestellung, neues Glück. Leider war dem nicht so. Mit jeder neuen Bestellung veränderte sich das Produkt. Dieses konnte man teilweise schon optisch feststellen! Laut Deklaration hatte sich nichts verändert, aber es hatte sich irgendetwas verändert, nur was?

In Bereich Filtriererhaltung stellt eine Veränderung am Futter, die man nicht gleich erkennt, ein riesiges Problem dar. Ein schönes Beispiel dafür ist: Eine Scleronephthya, die 2 Tage geschlossen bleibt und kein Futter aufnimmt und somit von ihrer Substanz lebt, benötigt bei mir rund 2 Wochen um diesen Verlust wieder auszugleichen. Dieses eigentlich kleine Problem hat also extreme Auswirkungen auf das Tier. Und genau das ist mit oben beschriebenem Futter passiert:
Die Tiere gingen öfter tagelang nicht mehr auf und bauten sichtlich ab. Trotz Variation meiner Mischung erreichte ich nie wieder die gleichen Resultate wie zuvor.



Anfang August 2006 diskutierte ich mal wieder mit Frank Diehl über unser Lieblingsthema und erzählte ihm von meinen Problemen mit dem zurzeit verwendeten Produkt. Daraufhin bekam ich die Information, dass es Ende des Jahres ein neues Produkt geben wird, mit dem man viele unterschiedliche Filtriererarten versorgen kann. Diese Aussage fand ich sehr interessant, da ich bisher verschiedene Produkte mischen musste, um die verschiedenen Tiere in meinem Becken zu versorgen. So konnte ich es kaum noch erwarten, dieses neue Futter auf seine Brauchbarkeit zu testen.

Bei einem Besuch bei Welke in Köln entdeckte ich etliche wunderschöne Federsterne, die gerade frisch importiert worden waren. Meistens sind diese Tiere in einem beklagenswerten Zustand, etliche abgebrochene Arme oder ähnliches, aber hier war es völlig anders. Die komplette Lieferung war in einer Qualität, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. So musste ich ein paar Tiere mitnehmen, obwohl mir das Problem mit dem Futter immer präsent war. Nur wann würde ich denn wieder Federsterne in dieser Qualität bekommen? Genau an diesem Punkt war ich hin und her gerissen, aber ich riskierte es. Da ich schon seit April 2006 einen anderen Federstern im Becken hatte und bei diesem mit dem veränderten Futter keine negativen Auswirkungen feststellen konnte, nahm ich sie mit. Einen Federstern dieser Art hatte ich schon in meinem Experimentierbecken ohne das spezielle Filtriererfutter gehalten.






Hier sind deutlich komplett neu ausgebildete Arme zu erkennen



Anfang November 2006 bekam ich dann von matuta.de das neue Futter, einen Monat früher, als es in den Handel kam. Ich musste es gleich verfüttern.
Interessanterweise reagierten die Tiere sehr schnell auf dieses Futter z.B. durch Öffnen der Polypen. Bei meinen azooxanthellaten Gorgonien konnte ich sogar die Aufnahme von Futterpartikeln in den Gastralraum beobachten. Also hatte das Futter den ersten Test erfolgreich bestanden. Ich entschloss mich nun dazu, nur noch und ausschließlich dieses Futter zu verfüttern, um möglichst wenig Wechselwirkungen mit dem noch verwendeten Futter für meine Fische zu haben.

Diesen Test habe ich über 4 Monate durchgeführt und die Tiere haben sehr positiv darauf reagiert.




Rechts oben ist deutlich zu erkennen, dass sich hier das Gewebe um die „Fußscheibe“ herum zieht




Hier sehr schön zusehen: nachgewachsene Armspitzen



Während des Tests machte ich eine doch sehr verblüffende Entdeckung an einer recht problematischen Gorgonie. Sie regenerierte eine Schadstelle von ~2mm innerhalb von 7 Tagen. Eine solche Regeneration habe ich zuvor nicht feststellen können. Leider habe ich hier nicht direkt ein Foto gemacht.



Foto: 07.01.2007 <---> Foto: 06.05.2007

Bitte entschuldigt die relativ schlechte Qualität der Fotos, das linke ist eine Ausschnittvergrößerung.
Deutlich zu erkennen sind die wieder geschlossenen Gewebeschäden.



Nachdem ich dieses Futter ausschließlich eingesetzt habe, möchte ich das ganze noch für meine Tiere optimieren, um ihnen möglichst gute Bedingungen zu bieten. Im Moment teste ich ein Additiv zu diesem Futter, ebenfalls von matuta.de. Dieses Additiv ist noch nicht im Handel und auch der Produktname steht noch nicht fest. Die ersten Eindrücke sehen sehr viel versprechend aus. Bei der Verwendung dieses Additivs habe ich eine sehr interessante Wirkung auf das Wachstum meiner Schwämme festgestellt, die vorher allerdings auch schon gewachsen sind. Aber diese Wachstumszunahme war schon erstaunlich.



Diese beiden Fotos liegen 3 Wochen auseinander. Ein großer Teil des Schwamms ist leider nicht besser zu dokumentieren, da er in das Lebendgestein eingewachsen ist.



An dieser Stelle eine große Bitte an alle, die es mir nachmachen wollen. Seid euch immer klar, jede Veränderung kann auch zum Verlust der Tiere führen. Das gilt speziell für das Futter, aber auch für andere Faktoren.

Deshalb teste ich nicht wirklich gerne, und wenn ich teste, versuche ich mir immer klar zu werden, wo genau ich eingreife. An einige meiner Tiere komme ich wahrscheinlich nie wieder heran, also habe ich bei jedem Test das Risiko des Verlusts. Bei jedem Test muss man nach der Umstellung sehr genau beobachten, ob sich alles so wie vorher verhält bzw. besser. Sollte dieses nicht der Fall sein, sollte man sich auch nicht davor scheuen, einen Test sofort zu beenden.


Deshalb mein persönlicher Tipp: "Never change a running system"


Die Haltung von Filtrierern ist, wie schon angesprochen, von vielen Faktoren abhängig. Ein Faktor ist mit Sicherheit das Futter, ein anderer die Qualität der gelieferten Filtrierer. Weitere Punkte sind der Besatz, hier sind auch die Fische gemeint, sowie die Strömung. Dieser Punkt wird häufig unterschätzt.


Auf dieser Seite sammele ich Infos zur Haltung von Filtrierern im Aquarien.




Die Daten zum Aquarium:

Das Becken steht seit März 2003.
Es ist ein Plexi-Glas-Becken mit gebogener Frontscheibe, das konstruktiv schon auf die Haltung von Filtrierern von mir geplant wurde.
Das Becken hat ein Volumen von 1100 Litern, so dass das ganze System mit Technikbecken bei ~1000L effektiv liegt. Es wird ein Eiweißabschäumer zur Aufbereitung des Wassers eingesetzt, zusätzlich ist noch ein kleiner AquaClear zur Phosphatreduktion am System. Auf UV und Ozon wird bei mir komplett verzichtet.

Beleuchtung:
3 x 250 Watt 10.000k (BLV)
6 x 9 Watt PL Röhren (Osram 67)
1 x 80 Watt T5 Röhre (Osram 67)

Technik: Strömung wird erzeugt mit 2 Tunze - Streams (12000l) im Wechsel, dazu kommen ~7000l, die durchs Technikbecken gehen. Die Strömungsrichtung wechselt alle 6 Stunden, synchron zur Strömung durchs Technikbecken.
Zur Wasseraufbereitung wird ein Abschäumer für 1000l Becken im Technikbecken mit Nadelrad verwendet.
Für die Calziumversorgung setze ich einen Jetstream1 ein, der antizyklisch betrieben wird.

Nachgefüllt wird automatisch mit Osmosewasser mittels Füllstandskontrolle, zusätzlich macht dieses System auch einen täglichen Wasserwechsel (Eigenbau ). Einige Steuerungsaufgaben übernimmt der IKS-Aquastar.

Spurenelemente werden keine mehr zugegeben, seit ich den täglichen Wasserwechsel im Betrieb habe.

Tierbesatz:

4 Doktoren
22 Anthias
6 Grundeln
1 Korallenwächter
1 Tomentosus
und noch ein paar kleinere Fische

10 unterschiedliche azooxanthellate Gorgonien
10 unterschiedliche Dendro/Scleronephthyen
8 unterschiedliche Federsterne
einige SPS und LPS

Futtermenge:

Pro Tag bekommen die Fische ~20g Frostfutter in mehreren Portionen. Das verwendete Futter ist von der Größe auf die Anthias abgestimmt. (Cyclops, Bosmiden, Lobstereier und ähnliches)
Zusätzlich bekommen die Anthias über den Tag verteilt lebende Nauplien . (aus ~7ml Eiern)
Für die Filtrierer füttere ich 4-5ml Timo food 1 und 3ml Timo food 3, dieses nehmen nicht nur die Filtrierer auf, sondern die Anthias jagen auch wie wild da hinter her. Dieses wird über den ganzen Tag verteilt gefüttert.


Text & Fotos © Copyright by Stephan Philipp




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