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Der Erstbesatz - Teil 2
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Der Erstbesatz - Teil 2
07.11.2004 von Frank D

Ein Leitfaden für Ein und Umsteiger.
zur Artikelübersicht dieser Serie
Nach einigen Jahren Erfahrung würden die Autoren heute etwas anders starten. Die stärksten Veränderungen würden wir im Besatz der Korallen vornehmen. Denn die ehemaligen Erstbesiedler sind ziemlich robust und zumeist extrem wuchsfreudig. Das erleichtert ihnen den Start im anfänglich etwas wackeligem System, indem die Werte häufig noch nicht stabil sind.
Die Anfangs eingesetzten Arten bestehen zumeist aus Weichkorallen, Krustenanemonen und Scheibenanemonen. Wenn in der späteren Standzeit des Aquarium aber Steinkorallen einziehen sollen, kommt es unweigerlich zum Konkurrenzkampf. Die am Anfang mit Begeisterung erlebte Wachstumsrate der diversen Erstbesiedler bedrängen nun die Steinkorallen. Natürlich gibt es unter diesen auch unterschiedlich robuste Arten. Weniger wehrhafte Steinkorallen können von den weitaus schnellwüchsigeren Konkurrenten mit der Zeit überwachsen und abgetötet werden.
Eine vollständige Ausrottung der Weichkorallen und Krustenanemonen ist meist nicht mehr möglich, da alle möglichen und auch unmöglichen Siedlungsplätze belegt wurden. Aus den geringsten Rückständen können sehr schnell wieder größere Einzeltiere oder Kolonien entstehen.
Den häufig beschriebenen "Kampf" zwischen Weich- und Steinkorallen, der über im Wasser gelöste Stoffe stattfinden soll, können wir so nicht ohne weiteres zustimmen. Es gibt sehr schöne Becken, die sowohl Stein- wie auch Weichkorallen beherbergen. Dort ist aber ein ständig wachsamer Pfleger notwendig, der evtl. Raumkomkurrenz durch Rückschnitt vorbeugt. Wir bezweifeln zwar nicht, das von Korallen und Algen gewissse Stoffe an das Wasser abgegeben werden, allerdings schon die Wirksamkeit auf andere Beckeninsassen.
Wir haben viel mehr den Verdacht, das bei einem Becken, welches überwiegend mit Weichkorallen besetzt ist, nicht so penibel auf die Wasserwerte geachtet wird und sich ein dementsprechendes Milieu etabliert. Dieses macht es für Steinkorallen, vor allem SPS ( small polyp scleractina - kleinpolipe Steinkorallen) schwierig, sich einzugewöhnen.
Bei einem überwiegend mit SPS Korallen besetztem Becken wird mehr auf die Wasserqualität geachtet und entsprechende Hilfsmittel wie Aktivkohle, Ozon usw. vermehrt eingesetzt. Dazu trägt sicherlich auch der erheblich höhere Preis der SPS Korallen und die schnellere Diagnose schlechter Wasserwerte durch Wachstumshemmung und Farbveränderungen bei. Wir möchten mit dieser Aussage nun keinem Aquarianer zu nahe treten, der ein reines Weichkorallenbecken pflegt.
Wie kommen wir zu einer solche Aussage?
Ein Bekämpfen von Korallen halten wir nur in direkter Nähe der Raumkonkurrenten für möglich. Meist wird dieser Kampf mit Hilfe von Kampftentakeln, die durchaus 10 cm lang werden können, durchgeführt. Dadurch kann das Gewebe des Gegners zerstört werden. Eine andere Taktik ist das Überwachsen durch Vermehrung. Vor allem Krustenanemonen und Scheibenanemonen gehören zu diesen Arten, die gerne als Einsteigertiere in der Literatur empfohlen und vom Handel verkauft werden. Deshalb sollten Sie sich den Kauf dieser Tiere schon sehr gut überlegen und auch die späteren Konsequenzen für eine Umstrukturierung des Besatzes bedenken.
Auf Grund dieser identischen Erfahrungen der Autoren kommen wir zu folgendem Schluß: Wenn das Ziel ein Steinkorallen-Aquarium ist sollten nicht die potentiellen "Feinde" direkt zu Anfang eingebracht werden.
Auch wenn es nun zu einigen Aufschreien kommt, würden wir heute ein Becken anderes einfahren.
Die wichtigsten Komponenten sind:
1. ein Grundstock aus eingefahrenen lebenden Steinen.
2. 50% eingefahrenes Wasser
3. 50% frisches Salzwasser
Desweiteren sollte das Becken direkt mit einer hohen Anzahl an Korallen besetzt werden. Wie kommen wir nun zu einer solchen Aussage?
Dieses Verfahren ist häufig bei Umzügen oder Beckenvergrößerungen praktiziert worden. Das alte Becken wurde komplett übernommen und im neuen Becken integriert. Dabei erfolgte aus Platzgründen oder Zeitmangel auch ein kompletter Besatz.
Dabei war in allen uns bekannten Becken folgendes zu beobachten: Die Algenplagen hielten sich generell im Rahmen und erreichten bei weitem nicht die Aussmasse wie bei einer kompletten Neueinrichtung. Eine Erklärung dazu ist die Nahrungskonkurrenz zwischen Algen und Korallen. Die Korallen entziehen dem Wasser Nährstofffe, die den Algen nun zum Wachstum fehlen.
In der ersten Zeit ist bei solchen Becken nur ein geringer Befall von Algen festzustellen, die mit Algenfressern sehr gut in den Griff zu bekommen sind.
Aus diesen Erfahrungen haben wir mittlerweile einigen Neueinsteigern zu dieser Methode geraten. Diese Becken konnten sehr schnell mit vollem Besatz bestückt werden und die berüchtigten Algenplagen sind teilweise komplett ausgeblieben. Einige dieser Becken sind nun mehrere Jahre alt und ein Nachteil konnte bis heute nicht festgestellt werden.
Allerdings erfordert diese Methode doch ein wenig Erfahrung, um den teilweise wertvollen Besatz nicht zu gefährden. Denn wenn ein solch angefahrenes System aus dem Ruder läuft ist schnelles Handeln erforderlich. Diese Methode soll nur eine weitere Möglichkeit darstellen.
Zu Anfang empfehlen wir auf gar keinen Fall irgendwelche Tiere, die absolute Nahrungsspezialisten sind. Informieren Sie sich über die angebotenen Tiere und kaufen sie kein Tier nur dem tollen Aussehen nach. Fragen Sie nicht nur den Händler sondern auch andere Aquarianer. Oftmals liegen unterschiedliche Erfahrungen vor, da ein Hälterungsbecken beim Händler kein Aquarium ist.
Überlegen Sie sich den Kauf von groß werdenen Fischen sehr gut. Nicht nur wegen dem evtl. Überbesatz, sondern auch auf Grund einer sich ändernden Meinung nach ein paar Jahren Aquaristik. Ein Doktorfisch kann sehr alt werden und es gibt nicht gerade wenige Pfleger, die sich mittlerweile an großen Tieren satt gesehen haben.
Sie würden heute viel lieber kleinere Arten einsetzen, die im ersten Moment nicht so auffallend sind. Denn beim genauen Betrachten des Beckens mit vielen kleinen Arten gibt es immer wieder ein Überraschungseffekt und es gibt auch mehr zu suchen und beobachten.
Viele kleinen Fische haben auch sehr interessante Balzverhalten, die sich häufig nur dem ausdauernden Beobachter zeigen. Mit kleinen Arten ist eine evtl. Vergessellchaftung mit der gleichen Art oder ein Schwarm
auf Grund der Größe meist eher machbar.
Hier noch ein paar Beispiele:

Sie sind zwar sehr schön, aber.....

das machen sie nicht.....

Er ist zwar relativ unscheinbar, aber im Schwarm ein echter Hit.
Wer jetzt eine Einkaufsliste erwartet hat, denn müssen wir entäuschen. Den die Richtung wohin sich Ihr Aquarium wandeln soll, bestimmen Sie selbst. Wenn Sie sich ausreichend mit Informationen aus entsprechender Literatur oder aus anderen Informationsquellen versorgt haben, werden Sie Ihren Traumbesatz sicherlich bald finden.
Frank Diehl, Robert Baur-Kruppas © 2004 by http://www.matuta.com und http://www.korallenriff.de
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